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Eco Farming Mallorca – ein Interview mit Giuliano von SOLU:FARM

Auf der SOLU:FARM in der mallorquinischen Inselmitte wächst etwas Besonderes heran: ein Projekt, das Permakultur, Naturwein und ehrliche Gastronomie verbindet. Wir haben mit dem Gründer Giuliano D’Amico gesprochen – über Eco Farming auf Mallorca, eine neue Generation von Ankömmlinge und die Frage, wie Mallorca in zehn Jahren aussehen könnte.

Lieber Giuliano, wie seid ihr eigentlich auf Mallorca gelandet?

Die Verbindung zur Insel besteht schon lange. Meine Eltern sind 2008 hergezogen und haben fast vier Jahre hier gelebt – ich selbst war damals 18 und für ein halbes Jahr dabei, bevor ich fürs Abitur zurückgegangen bin. Dann hat das Leben erstmal andere Wege eingeschlagen.

Zwölf Jahre später sind meine Frau und ich mit unserer kleinen Tochter im Camper durch Südeuropa gefahren. Wir wollten etwas Neues machen – raus aus dem Agenturalltag, rein in die Gastronomie. Einen Monat haben wir auf Mallorca verbracht und gespürt: Hier stimmt die Energie. Die Infrastruktur passt, ich spreche Spanisch, wir kannten die Insel. Aber vor allem war da diese Aufbruchsstimmung – neue Leute, andere Projekte, weg vom klassischen Ballermann- und Golftourismus. Mein Vater kommt aus Sizilien, also ist mir die mediterrane Verwurzelung vertraut. Alles hat sich irgendwie richtig angefühlt. Wir haben dann zweieinhalb Jahre nach dem richtigen Objekt gesucht und es schließlich in der Inselmitte gefunden. Seit etwas mehr als zwei Jahren bauen wir das Eco Farming Mallorca Projekt nun auf.

Hattet ihr vorher Erfahrung in der Gastronomie oder Landwirtschaft?

Ehrlich gesagt: keine klassische. Ich habe eine Immobilienfirma geführt und parallel als Privatkoch gearbeitet – weil die Leidenschaft dafür einfach immer da war. Mein Vater hatte Gastronomie, ich bin damit aufgewachsen. Neben Uni und Arbeit habe ich immer in Bars oder Restaurants gejobbt, in München als Privatkoch gearbeitet, Kochkurse in Hamburg gegeben und auch mal in professionellen Küchen reingeschnuppert.

Der Schritt zur Landwirtschaft kam dann fast zwangsläufig. Wer sich ernsthaft mit Produktqualität beschäftigt, landet irgendwann beim Thema Anbau. Ich habe ein Permakulturseminar am Tegernsee gemacht – und danach war klar: Wenn wir etwas aufbauen, dann richtig. Mit eigenen Produkten, mit Überzeugung und mit Blick auf das, was wir unseren Kindern hinterlassen wollen.

Was ist das konkrete Eco Farming Konzept, das ihr auf der Finca lebt?

Das große Ziel ist ein Agriturismo – also Übernachtungen, Gastronomie und Landwirtschaft unter einem Dach. In Mallorca ist die Lizenzlage dafür komplex und langwierig, aber wir arbeiten darauf hin.

Was wir heute schon machen: Wir bewirtschaften einen 2.000 Quadratmeter großen Gemüsegarten nach Permakulturgrundsätzen – ohne Chemie, mit selbst hergestellten Präparaten. Daneben haben wir Wein gepflanzt, in Zusammenarbeit mit einem Önologen, der seit 14 Jahren weltweit tätig ist. Kein Monokultur-Weinbau, sondern regenerativ – mit Bäumen zwischen den Reben, Platz für Bienen, grünem Dünger. Aus Trauben dieser und zweier weiterer Parzellen auf der Insel haben wir letztes Jahr 2.000 Flaschen produziert, die wir in Kürze releasen.

Bis die Agriturismo-Lizenz da ist, arbeiten wir als Privatköche und veranstalten Events auf der Finca. Die Idee: Farm-to-Table im besten Sinne. Die Gäste bekommen eine Farmtour, dann essen sie im Gemüsegarten – von dem, was gerade reif ist. Rund 80 Prozent Gemüse, ergänzt durch Fisch, Fleisch oder Produkte von Produzenten, die dieselbe Philosophie teilen. Einmal im Monat gibt es außerdem einen Sundowner-Picknick: Musik, Picknickdecken, eine Flasche Wein oder Wasser, Kinder willkommen, Holzofenküche. Kein Luxus-Rahmen, keine Massenangebote – einfach gute Qualität für alle, die sie suchen.

Wen trifft ihr in eurer Ecke der Insel – wer sind eure Nachbarn und Mitstreiter?

Genau das ist das Schöne an der Inselmitte: Hier kommen Menschen an, die vieles von der Welt gesehen haben und jetzt bewusst einen anderen Lebensstil suchen. Weg vom Massenkonsum, weg von 80-Stunden-Wochen ohne Sinn – hin zu guten Produkten, echter Gemeinschaft, mehr Zeit draußen mit den Kindern.

Wir haben wahnsinnig schnell Leute kennengelernt, die dasselbe Mindset haben. Unser DJ kommt aus Kalifornien, hat schon alles gesehen und legt jetzt in unserem 5.000-Seelen-Dorf mit alten Vinylplatten auf – so analog wie möglich. Ein Freund aus Santa Maria baut uns unsere Außenmöbel aus nachhaltigem Holz und denkt dabei jeden Schritt neu. Eine Deutsche kocht für sie, die nachhaltige Möbel aus Sri Lanka vertreibt und ihre Base hier auf der Insel hat.

Und dann die mallorquinische Seite: Unser Gärtner ist im Dorf geboren, eigentlich Chemiker, seit 20 Jahren in der Permakultur – und brennt jetzt für das, was wir hier aufbauen. Der jüngere Teil der lokalen Bevölkerung ist viel offener als früher. Das Miteinander entwickelt sich, und das ist etwas, was ich vor zwölf Jahren so nicht wahrgenommen habe.

Wie soll Mallorca in zehn Jahren aussehen – und wo hapert es noch?

Die Tendenz geht in die richtige Richtung, aber die Politik unterstützt zu wenig. Sinnvolle Projekte werden zu wenig differenziert betrachtet – alles im Tourismusbereich wird über einen Kamm geschert. Dabei braucht es genau das Gegenteil: mehr Blick für Details, mehr Katalysatoren für grüne Projekte, weniger alte Strukturen beim Thema Landwirtschaftslizenzen.

Ein konkretes Beispiel: Olivenbäume ohne Bewässerung bringen bei den Lizenzbewertungen mehr Punkte als bewässerte Zitrusbäume. Mischkonzepte mit Permakultur, die auf weniger Fläche mehr Ertrag bringen – das wird gar nicht erst geprüft. Das frustriert. Von null bis zur Agriturismo-Lizenz vergehen fünf bis sechs Jahre, die auch finanziert werden müssen. Da braucht man starke Nerven und noch stärkere Rücken.

Trotzdem bin ich optimistisch: In zehn Jahren kann Mallorca substanziell grüner sein. Der Tourismus wird entzerrter, ganzjähriger – das sehen wir schon jetzt. Anfang März ist unser Dorf, das ein klassisches Rad- und Wanderdorf ist, teils stärker besucht als im Hochsommer. Die Leute wollen mehr als All-inclusive. Sie mieten Autos, erkunden die Insel, suchen echte Erfahrungen. Das ist eine Riesenchance – für Projekte wie unseres, aber auch für die Insel insgesamt. Wichtig wäre, dass das Angebot nicht nur in die Luxusrichtung abdriftet, sondern zugänglich bleibt. Demokratischer Genuss, wenn man so will.

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